Fürth wird Durchschnitt – ob das reicht?

Die Preise für den öffentlichen Nahverkehr in Fürth steigen bis zum Jahr 2015 um bis zu 61 Prozent und die Kurzstrecke im gesamten Stadtgebiet wird abgeschafft (Quelle: FN vom 27.11.). Infra-Chef Partheimüller meint, damit passe sich Fürth dem bundesweiten Durchschnittsniveau bei den Fahrpreisen an. Die Frage ist, ob Durchschnitt in Zukunft reichen wird.

Gehen wir einmal ein paar Jahre zurück. Eingeführt wurde der Kurzstreckentarif im gesamten Stadtgebiet Fürths im Zuge des U-Bahn-Baus. Die Überlegung war damals richtig: Um zu verhindern, dass die Leute ihre Kaufkraft massenweise per U-Bahn nach Nürnberg fahren, machen wir den Verkehr innerhalb Fürths billiger. Trotz dieser richtigen Maßnahme muss man unterm Strich heute feststellen, dass die Stadt seitdem jedes Jahr durch die U-Bahn ca. sechs Millionen Euro Verlust einfährt – dafür, dass die Menschen bequemer zum Arbeiten, Feiern und Einkaufen abwandern dürfen.

Kaufkraft wandert weiter ab

Es ist halt so einfach, nach Nürnberg zu fahren – darin liegt eines der Kernprobleme des Fürther Einzelhandels und das unterscheidet diese Stadt vom „Bundesdurchschnitt“. Dieses Problem soll nun verschärft werden durch die Abschaffung des innerstädtischen Kurzstreckentarifs. Die Mehrbelastung ist beträchtlich: Ein Einzelticket für die  Kurzstrecke kostet derzeit 1,60 Euro, ab 2015 sollen es 2,10 Euro sein. Als Zwischenschritt wird ab 2012 ein „Fürth-Tarif“ eingeführt werden mit immerhin 1,90 Euro pro Fahrt.

Um sich im Wettbewerb mit der übergroßen Nachbarstadt zu behaupten, müsste man eigentlich das Gegenteil tun: Den Menschen möglichst billige und einfache Lösungen anbieten, wie sie innerhalb Fürths ihr Geld ausgeben können. Denn kostet die Reise von Stadeln an die Nürnberger Lorenzkirche genauso viel wie zum Rathaus, ist erst recht klar, wo die Reise hingeht. Da wird auch das Einkaufszentrum „neue Mitte“ nicht viel helfen, zumal dessen Konzept zu wünschen übrig lässt.

Frauen, Azubis und Renter zahlen – Autofahrer nicht

Dass gleichzeitig mit der Tariferhöhung das längst überfällige Sozialticket angekündigt wird, ist sicher kein Zufall, ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Erhöhung eine gewaltige soziale Schieflage hat. Mehr zahlen werden diejenigen, die mit Bussen und U-Bahn fahren: Frauen, RenterInnen, Azubis, StudentInnen und alle anderen, die sich kein Auto leisten können. Wer es sich leisten kann, fährt weiter Auto.

Die Tariferhöhung soll der Stadt jedes Jahr 2,5 Millionen Euro mehr einbringen – das ist angesichts von 12,4 Millionen Euro jährlicher Verluste gar nicht mal so viel. Ob es das Wert ist, sich endgültig zur Satellitenstadt Nürnbergs zu degradieren?

Ein mutiges Konzept fehlt

Eine wirkliche Verbesserung der Bilanz könnte nur ein groß angelegtes, mutiges Verkehrskonzept für Fürth bringen, das zehntausende Menschen zum Umsteigen auf Busse und Bahnen bewegen würde. Die Eckpunkte wären: Schnellere und bequemere Verbindungen aus den Vororten, optimierter Fahrplan, autofreie Innenstadt, Fahrradmitnahme, günstige Tarife. Statt ein solches Konzept zu erarbeiten, erhöhen Bürgermeister und Infra-Chef einfach die Preise. Eine durchschnittliche Lösung.

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Über Phil
Involviert und engagiert in Fürth

3 Responses to Fürth wird Durchschnitt – ob das reicht?

  1. Alex Gauert says:

    Sehr guter Kommentar. Den solltest du vielleicht auch an die Fürther Freiheit mailen und als Leserbrief an die FN.

    • Phil says:

      Fürther Freiheit wird ihn veröffentlichen. Mal sehen, ob ich heute noch Zeit finde für die FN. Eine Diskussion ist auf jeden Fall nötig. Vielleicht kann man wenigstens erreichen, dass es nach 2012 beim „F-Tarif“, also unter der psychologisch wichtigen Grenze von 2 Euro bleibt.

      • Alex Gauert says:

        Ja eine Diskussion ist nötig, überlegen wir uns ein mutiges Konzept. Wir brauchen halt von Stadtrat nochmal die genauen Zahlen, damit wir wissen was es kostet und wie wir es finanzieren sollen.

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