Der Metropolmarathon im Nachhaltigkeits-Check

Als Teil der grünen Staffel bin ich heute beim Metropolmarathon in Fürth gelaufen. Wir waren ein fröhliches Team und sind stolz, gemeinsam die Marathon-Distanz in 3:45 min geschafft zu haben. Bei aller Begeisterung und Freude am Laufen konnte ich aber natürlich nicht anders, als die Veranstaltung auch mal kritisch zu beobachten…

Eins vorweg: Die Stimmung an der Strecke war unglaublich, die Unterstützung von den vielen HelferInnen und ZuschauerInnen motiviert wirklich sehr. Mit begeisterten Anfeuerungsrufen, musikalischer Untermalung und – wie könnte es in diesen Tagen anders sein – Vuvuzelas machten richtig viele Leute richtig viel Lärm und damit auch die Quälerei einfacher. Fazit: Stimmung, Note 1

Die Klimafolgen der Veranstaltung dürften verheerend sein: Tausende von Menschen reisen aus ganz Deutschland (und teilweise sogar ganz Europa) mit Zügen, Autos und Flugzeugen nach Fürth, um am Event teilzunehmen und verursachen dabei einen beträchtlichen CO2-Ausstoß. Hinzu kommen Hüpfburgen, Lautsprecherwägen, Materialien und, und, und. All das muss herangeschafft werden schadet dem Klima. Die Veranstalter sollten Anreize schaffen, klimafreundlicher zum Marathon zu reisen. Nicht zuletzt müssen sie auch den eigenen Energieverbrauch kritisch beleuchten.Fazit: Energie, Note 3

Das allein ist vielleicht noch nicht schlimm, denn so ist es eben (leider) bei den meisten Großveranstaltungen mit einer derartigen TeilnehmerInnenzahl. Dass die Getränkeversorgung der LäuferInnen mittels Einweg-Plastikbecher geschieht, ist schade, denn Papier täte es auch und ist einfacher zu recyceln. Nur an einer Versorgungsstation gab es zudem einen Mülleimer für die Becher. Etwas anderes regt mich aber viel mehr auf: Warum bekommt jedeR TeilnehmerIn bei der Anmeldung einen grau-grünen Rucksack, bis oben vollgestopft mit Werbung? Natürlich muss so ein Fest finanziert werden. Aber bei mir landete der Inhalt des Rucksäckchens ungesehen im Papierkorb. Der Rucksack selber ist von lausiger Qualitä; außerdem habe ich schon einen, wie die meisten anderen auch. Er ist komplett nutzlos, kommt also erstmal in die Abstellkammer und, weil ich nicht gerne Dinge wegwerfe, auf den nächsten Flohmarkt oder in den Wertstoffhof. Bei 90% der anderen LäuferInnen wird er wohl ebenfalls im Müll landen. Unter welchen Arbeitsbedingungen er hergestellt wurde, will ich gar nicht erst wissen. Fazit: Ressourcen und Recycling, Note 5

Zur sozialen Facette der Veranstaltung: Der Metropolmarathon tritt an, die Freude an Bewegung in der Bevölkerung zu erhöhen. Sport ist gesund, also sollen alle teilnehmen können. Wirklich alle? Ein Marathon in Fürth kostet, je nach Anmeldezeitraum, zwischen 37,50€ und 50€ Startgebühr. Dazu kommen 8€ für den Zeitmessungs-Chip, von denen man nur 5€ zurück bekommt. Eine Staffel kommt sogar auf bis zu 125€ plus Chip! Nehmen wir mal an, eine gering verdienende, vierköpfige Familie möchte eine Staffel stellen. Ein Azubi, eine Hartz-IV-Empfängerin, ein Rentner oder eine Studentin möchte den Marathon laufen. Werden die nicht alle zweimal überlegen, ob sie an einem Lauf teilnehmen? Laufen dann am Ende nicht doch nur diejenigen mit, die entweder gut verdienen oder ohnehin schon viel Sport treiben? Fazit: Soziale Ausgewogenheit, Note 5

Die kurze, einfache Analyse zeigt: Trotz hohem Spaßfaktor bleiben einige Hausaufgaben zu erledigen für das Sportamt, das den Lauf veranstaltet. Hoffen wir auf einen nachhaltigeren und ebenso begeisternden Metropolmarathon Fürth 2011.

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Über Phil
Involviert und engagiert in Fürth

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