Antifaschismus – eine rein linksextreme Angelegenheit?

Muss man linksextrem sein, um gegen Rechtsextreme auf die Straße zu gehen? Mitnichten, werden viele sagen – und vergessen dabei, dass das öffentlich sichtbare Engagement gegen Rechts fast ausschließlich vom gegenüberliegenden Rand des politischen Spektrums kommt.

So geschehen heute in Fürth: Unzählige rote Fahnen von SDAJ, DKP, MLDP und Konsorten waren da zu sehen. Keine von SPD, CSU, FDP oder deren Jugendverbänden. Das politische Establishment scheint sein Engagement auf das unbedingt notwendige, die großen Events wie den 1. Mai oder den jeweils nächsten NPD-Parteitag zu beschränken. Dort blickt man sehr ernst und sehr fotogen in die Kameras, beteuert, wie wichtig einem der Einsatz ist. Aber wie wichtig ist er ihnen wirklich?

Nicht dass ich der extremen Linken moralische Überlegenheit unterstellen würde – im Gegenteil. Auf den Demonstrationen missbraucht sie den Protest gegen Rassismus und Intoleranz, um Jugendliche, die sich eigentlich positiv für die Demokratie engagieren wollen, zu einem radikalen und gewalttätigen Klassenkampf aufzuhetzen. Von den Lautsprecherwagen initiierte Sprechchöre wie „Gebt den Nazis die Straße zurück, Stein für Stein“ tragen zur Gewaltbereitschaft bei. Aus dem Megaphon tönt es da schon mal: „Und wir sind natürlich heute nicht nur hier, um gegen Nazis zu demonstrieren, sondern auch, um auf die Unterdrückungen und Repressionen im kapitalistischen System aufmerksam zu machen.“ Das sagt ein Einziger, und er sagt es mit dem Anspruch, für alle DemonstrantInnen zu sprechen, woher er seine Legitimation auch immer nehmen will.

Dabei nutzen die Extremisten nur geschickt die Abwesenheit der demokratischen Parteien. Und beide Seiten scheinen damit zufrieden zu sein. Das ist jedoch fatal, denn der Protest gegen rechte Ideologie, für Vielfalt, Toleranz, Demokratie und gerne auch Solidarität – denn auch das ist ein hohes Gut – muss aus der Mitte der Gesellschaft kommen, sonst bleibt er wirkungslos.

Wir Grüne bilden also ein kleines, aber wachsendes Gegengewicht, wenn wir gegen Rechts auf die Straße gehen – und nicht nur einmal im Jahr. Indem wir kommen und gewaltfrei Präsenz zeigen, eine Alternative anbieten außerhalb von Rassen- oder Klassenkampf. Eine Alternative außerhalb schwarz vermummter DemonstrantInnen oder schwarz vermummter Polizei. Deshalb war ich heute auf der Straße. Und deshalb solltest auch du nächstes Mal dabei sein. Reclaim the streets!

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Über Phil
Involviert und engagiert in Fürth

2 Responses to Antifaschismus – eine rein linksextreme Angelegenheit?

  1. Kathrin says:

    Recht hat er, der Herr. Und deshalb fahr ich ja auch am Freitag mit nach Bamberg. Nicht nur weil es in dem Moment „schick“ ist, sondern weil man Farbe bekennen sollte und muss. Und meine Farbe ist GRÜN.

    • Phil says:

      Danke! Ich würde mich freuen, wenn man demnächst nicht nur rote, sondern immer mehr grüne Fahnen sieht. Gerne auch gelbe, weiß-blaue Rauten, oder wasweißich.

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